Bundesplatz 14
10715 Berlin
U + S-Bhf Bundesplatz (U9 - S 41,42,46)
Bus 248, N9
Tel.: 030 / 85 40 60 85
Saal ist barrierefrei
Europa Cinema
Eintrittspreise:
-Erwachsene 9,-- €
-Kinder (bis 12 J.) 5,-- €
-ermäßigt 8,-- €
-Kinotag: Mittwoch 7,-- €
Keine Karten- nur Barzahlung
Wir zeigen heute,
Mittwoch, den 19.06.2024:


15:30 Bundesplatz-Kino:
Morgen ist auch noch ein Tag

18:00 Bundesplatz-Kino:
JFBB: Revenge: Our Dad the Nazi Killer (OmU)

20:30 Bundesplatz-Kino:
JFBB: The Presidents Tailor (OmU)

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Impressum

Eva-Lichtspiele
JFBB - 30. Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg

JFBB: The Blond Boy from the Casbah (OmU, OmeU)

 
JFBB-SEKTION: WETTBEWERB SPIELFILM
Am Samstag, 22. Juni, um 20.15 Uhr

Alexandre Arcady, Frankreich 2023, 128 min, Spielfilm, OmU (Englisch + Deutsch)

Sprachfassung: Französisch

Der 15-Jährige Antoine wächst in den 1950er-Jahren in Algier auf, umgeben von einer chaotisch-liebevollen Hausgemeinschaft – jüdisch, muslimisch, christlich, das spielt kaum eine Rolle. Bis in der Stadt Bomben hochgehen. Die im Rückblick entfaltete Geschichte zeigt, wie Antoine seine Leidenschaft für Kinofilme entdeckt, während sich der Algerienkonflikt zuspitzt.

Als Jugendlicher für seine kinematographischen Ambitionen ausgelacht, kehrt Antoine als gefeierter Filmemacher zurück in seine Heimatstadt. Mit seinem 15-Jährigen Sohn Thomas streift er durch die Straßen, entdeckt die Orte seiner Kindheit und erinnert sich… Am Ende des Besuchs wird er seinen eigenen Film über die verlorene Heimat präsentieren. So entfaltet sich die Geschichte zwischen dem Protagonisten der Gegenwart und seinen Erinnerungen an eine ärmliche, aber glückliche Kindheit, die wir als Publikum dieses Films im Film präsentiert bekommen.

Regisseur Alexandre Arcady erzählt damit auch seine eigene Geschichte. Er wurde selbst 1974 in Algerien geboren und emigrierte im Alter von 15 Jahren mit seiner Familie nach Frankreich.

Denn ab 1954 kam es in Algerien, seit 1830 von der Kolonialmacht Frankreich besetzt, zunehmend zu Spannungen aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Ungleichheit und Diskriminierung der algerischen Bevölkerungen. Die Spannungen mündeten in Protesten und Aufständen und schließlich in einer Reihe von Attentaten. 1962 erlangte Algerien seine Unabhängigkeit. Der Algerienkrieg wurde erst 1999 von Frankreich begrifflich als solcher anerkannt und ist bis heute im kollektiven Gedächtnis Frankreichs präsent und prägt Politik und Gesellschaft.

Alexandre Arcady über seinen Film:
“Ich möchte nicht nur über den Kolonialkrieg sprechen, der ganze Bevölkerungsgruppen auseinandergerissen hat, sondern auch über das, was sie miteinander verbunden hat. Die Rue du Lézard, aus der ich komme und deren Geschichte ich erzähle, ist ein Mikrokosmos des damaligen Algeriens mit seinen kabylischen, mozabitischen, muslimischen, katholischen und jüdischen Gemeinschaften. Ich war Teil der sephardischen Gemeinde, die seit dreitausend Jahren in Algerien lebt. Ihr Zusammenleben mit den anderen Bevölkerungsgruppen war wechselweise fruchtbar oder konfliktreich. Die Kulturen wurden durch ihre gemeinsamen Praktiken, Feste und Riten bereichert... Wir lebten alle zusammen, bis die Entkolonialisierung dieses Gleichgewicht zerstörte.

Ich möchte, dass dieser Film diese gemeinsame Erinnerung weitergibt, genauso wie der erwachsene Antoine seinem Sohn die Erinnerung an seine Familie weitergibt.
Wie alle, die eine untergegangene Epoche überlebt haben, träume ich davon, diese Zeit auf der Leinwand wieder zum Leben zu erwecken. Ich möchte eine Lebensweise auf der Leinwand zeigen, die viele heute nicht mehr verstehen.
Durch die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Biografie und Kindheit spürte ich, dass das, was ich in diesem Film vermitteln wollte, auch für uns heute in Frankreich von Bedeutung ist. Denn auch hier und heute kämpfen die verschiedenen Gemeinschaften um ein friedliches Zusammenleben.”

Text: Charlotte Kühn

ALEXANDRE ARCADY
BIO Born in Algeria on March 17, 1947, Arcady Egry, also known as Alexandre Arcady, is a film director. In the late 60s, he began an acting career by appearing in a TV series entitled LA CRAVACHE D´OR. Then, he began directing short films and TV movies. In 1977, with his partner, director Diane Kurys, he founded a production company with which he produced the hit PEPPERMINT SODA, as well as COCKTAIL MOLOTOV (1980). In 1979, he signed his first feature film, LE COUP DE SIROCCO. Based on his own personal story, the film, which recounts the arrival of the Pieds-noirs in France, was an unhoped-for success, revealing the talent of Patrick Bruel. After this first film, Alexandre Arcady made exile his favorite subject, directing LE GRAND CARNAVAL (1983) and LÀ-BAS, MON PAYS (2000). The director also dabbled in other genres, such as thrillers: K and BREAK OF DAWN, and dramas: THE BIG PARDON, LE GRAND PARDON 2 and DIS-MOI OUI. He also tackled comedy with HOLD-UP (1985) and TU PEUX GARDER UN SECRET?. He then returned to dramas and crime genre with COMME LES CINQ DOIGTS DE LA MAIN (2010), WHAT THE DAY OWES THE NIGHT (2012) and 24 DAYS (2014). In 2023, he returns with the film THE BLOND BOY FROM THE CASBAH retracing his entire history in Algiers.